Rückblick - Fachtag Demenz Mensch. Technik. Miteinander. - neue Wege zur Betreuung und Versorgung

München
Fachstelle für Demenz und Pflege Oberbayern

Telemedizinische Visiten, digitales Demenztraining, intelligente Assistenzsysteme und Robotik in der Pflege – was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, stand beim Fachtag „Mensch. Technik. Miteinander – neue Wege in der Betreuung und Versorgung“ im Fokus.
Die Fachstelle Demenz und Pflege Oberbayern brachte diese Woche Akteurinnen und Akteure aus Pflege, Demenzarbeit, Forschung und Versorgung zusammen. In der hybriden Veranstaltung konnte man sich fundiert zu Technik und Digitalisierung im Kontext von Demenz und Pflege austauschen.

Der Bedarf ist klar: Die Zahl älterer Menschen – und damit auch der Menschen mit demenziellen Veränderungen – steigt, während Fach‑ und Arbeitskräfte weniger werden. Gleichzeitig wächst die Belastung pflegender AngehörigerVor diesem Hintergrund stellt sich nicht mehr die Frage, ob neue Wege notwendig sind, sondern wie mutig und konsequent wir Veränderung gestalten.

Innovative Lösungen, die Pflegekräfte entlasten und die Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf nachhaltig verbessern können, sind inzwischen klarer Bestandteil der Zukunftskonzepte.

Die Beiträge der Veranstaltung stellten unterschiedliche digitale und technische Ansätze zur Unterstützung von Pflege und Demenzarbeit vor. Die Referentinnen und Referenten zeigten, wie Digitalisierung und Technik konkret zur Unterstützung beitragen können: Von digitaler Versorgungs-koordination im ländlichen Raum (Projekt „PIO Oberallgäu“) über telemedizinisch begleitete Trainingsangebote für Menschen mit Demenz (H3‑Training in Hamm-Lippstadt) bis hin zu KI‑gestützter sozialer Interaktion. Anwendungsnahe Einblicke in telemedizinische Versorgung in Pflegeheimen (TUM-Rechts der Isar), die elektronische Patientenakte und den Europäischen Gesundheitsdatenraum (Healthcare by your Side) verdeutlichten das Potenzial digitaler Lösungen für den Pflegealltag. 

Ergänzt wurde das Programm durch die Vorstellung des Campus‑Projekts Garmisch‑Partenkirchen mit der aktiven Forscherrolle der Caritas sowie durch Workshops zu robotischen und digitalen Assistenzsystemen MIRMI  und Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen, München), 

die Sicherheit und Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld fördern.

Der intensive Dialog hat deutlich gemacht: Digitalisierung ist in Pflege und Demenzarbeit längst Realität. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen fachlich fundiert zu diskutieren, Erfahrungen aus der Praxis einzubringen und gemeinsam weiterzudenken – gerade in Zeiten, in denen Digitalisierung stark in Medien und sozialen Netzwerken präsent ist.

Als Wohlfahrtsverband übernehmen wir diese Verantwortung bereits aktiv. Ein Beispiel dafür ist unsere Rolle als Forschungspartner im Projekt SMiLe2getherGaPa im Rahmen des Campus Garmisch‑Partenkirchen. Gemeinsam mit Wissenschaft und Praxis bringen wir uns frühzeitig in innovative Entwicklungen ein und gestalten zukunftsfähige Pflege mit.

“Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob wir neue Wege gehen, sondern wie mutig wir Entscheidungen treffen. Ich bin stolz, dass wir als Verband bereits aktiv Verantwortung übernehmen, etwa als Forschungspartner im Projekt SMiLe2getherGaPa im Rahmen unseres Campus Garmisch‑Partenkirchen.” 

Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin

Gleichzeitig erleben wir als Träger täglich die Grenzen bestehender Leistungssysteme. Eine zentrale Herausforderung bleibt: Wie gelangen digitale Innovationen aus Modellprojekten zuverlässig in die Regelversorgung?

Damit Digitalisierung ihre Wirkung entfalten kann, braucht es:

  • eine bessere Integration in die Systeme der Kranken‑, Pflege‑ und Rentenversicherung,
  • weniger bürokratische Hürden,
  • sowie eine verlässliche und langfristige Finanzierung.

Unser Fazit

Digitalisierung ist kein technisches Zusatzprojekt. Sie muss Teil einer strategischen und zukunftsfesten Pflegepolitik sein.

Dabei gilt für uns: Technologie ersetzt keine Pflegekräfte, keine Angehörigen und keine menschliche Nähe. Aber sie kann Zeit, Sicherheit und Handlungsspielräume schaffen – für das, was Pflege im Kern ausmacht: Zuwendung, Beziehung und Würde.

Der Fachtag hat erneut gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch ist, um Pflege verantwortungsvoll weiterzuentwickeln – im Sinne der Menschen, die Unterstützung brauchen, und derjenigen, die sie täglich leisten.

„Digitalisierung darf kein Zusatzprojekt sein. Sie muss Teil einer strategischen Pflegepolitik werden.“

Gabriele Stark-Angermeier